Im letzten Sommer und Herbst habe ich zum ersten Mal an einem Kunst am Bau Wettbewerb teilgenommen, und freue mich riesig, dass die Ausführung des Projekts mir angetraut wurde.
Dabei handelt es sich um eine künstlerische Intervention im inneren und äusseren Eingangsbereich des sich aktuell im Bau befindenden Gemeindehauses von Hünenberg (Zug). Die Ausführung findet im Verlauf der nächsten 18 Monaten statt. Architektur: Röck Baggenstos Architekten
Projektbeschrieb
Kunst am Bau Intervention - Maihölzli Hünenberg
Drei Aspekte sind in meinem Vorschlag zentral:
Der Ort Maihölzli in seiner Umgebung und deren Geschichte
Die Gemeinde Hünenberg, bestehend aus Dutzenden von Weilern und Fluren
Die Bestimmung des Gemeindehauses als Ort der Vernetzung und Zentrum eines Geflechts
Intervention im äusseren Eingangsbereich – Maihölzli
Der Maihölzliwald ist Bestandteil des Ursprungs der heutigen Gemeinde, er wurde 1414 von den Urhünenbergern beim Loskauf von den Rittern von Hünenberg erworben.
Damals wurde das Gebiet noch als Eichhölzli bezeichnet.
Das Gemeindehaus betritt man über den gedeckten Vorbereich, erreichbar über ein paar Stufen von Westen oder ebenerdig von Norden her. Der Boden dieses Vorbereichs weist in meiner Intervention
reliefartig die Struktur des Waldbodens auf, geprägt von Blättern der im Maihölzli heimischen Bäume (nicht nur Eichen, sondern auch Eschen, Buchen, Linden, Ahorn etc) – organisch
übereinandergelagert, sodass eine zwar erkennbare, jedoch nicht illustrative Struktur entsteht. Um diese Struktur zu erzielen, werden die Blätter auf die frisch gegossene Betonfläche gepresst,
dadurch bleiben Blattformen und -maserungen als schemenhafter Abdruck zurück. Beim Betreten des Gemeindehauses wird so die Erinnerung ans Maihölzli als natürliches und kulturelles Biotop
wachgerufen.
Intervention im Empfangsraum – die Gemeinde Hünenberg
Die aus Bauernhöfen und Weilern entstandene Gemeinde zählt heute über 80 Flurnamen. Diese Begriffe machen die Vielfältigkeit der Gemeinde Hünenberg, ihre (natur-)historische und ökonomische
Prägung greifbar: Wohnviertel, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Industriegebiet, Waldbestand etc.
In der Empfangshalle stehen Besucher:innen in einem offenen, hellen Raum. Wendet man sich nach rechts, ist eine Rohbetonwand zu sehen, auf welcher scheinbar zufällige Konstellationen von Wörtern
auszumachen sind. Bei näherem Hinsehen ist zu erkennen, dass in diesem Wortbild alle Flurnamen der Gemeinde Hünenberg, entsprechend ihrer geografischen Lage, aufgetragen sind. Diese Landkarte,
ausschliesslich aus Namen bestehend, lädt zum Verweilen ein, dazu, Orte zu erkennen oder zu entdecken und mit ihren Namen Erfahrungen oder Erinnerungen zu assoziieren.
Die Flurnamen werden mit Lack und Goldstaub auf die Wand aufgetragen, um je nach Tageszeit und Betrachtungswinkel ein Spiel mit Licht, Sichtbar- oder Wähnbarkeit entstehen zu lassen, und die
Betrachter:innen dazu anzuregen, aktiv in Beziehung zum Wortbild zu treten.
Publikation – das Gemeindehaus
Das Gemeindehaus soll Anhaltspunkt und Anlaufstelle sein, identitäts- und begegnungsstiftend
wirken, es entspricht dem Knotenpunkt eines komplexen Geflechts, wo unterschiedliche Bedürfnisse und
Beziehungen zusammenkommen.
Hünenberg ist nicht sternförmig von einem Zentrum aus gewachsen, sondern schöpft seine Stärke, seine Schönheit und Einzigartigkeit aus einem Geflecht von Kleinstlokalitäten. Als Ausdruck der
Zusammengehörigkeit all dieser Einheiten wird eine Publikation produziert, die auf ca. 100 Seiten alle in der Gemeinde Hünenberg vorkommenden Flurnamen mit einer kurzen historischen,
geografischen und etymologischen Erklärung beschreibt.
Formal und visuell besteht eine Verbindung zwischen Buch und Gemeindehaus: Die Flurnamen, die jeweiligen Titel jeder Seite, sind in der gleichen Schrift gesetzt wie auf der Wand im Gemeindehaus.
Dieses Buch richtet sich an alle Einwohner:innen der Gemeinde und kann allen, die neu in die Gemeinde ziehen, als Willkommensgeschenk übergeben werden. Somit entsteht eine greifbare Verbindung
zwischen dem Gemeindehaus (wo sich das typografische Wandbild befindet) und allen Hünenberger Haushalten, welche über das Buch und damit über das Hintergrundwissen der Flurnamen verfügen.
Alternativ kann das Buch auch mittels QR-Code runtergeladen werden.




















